Nachruf

08.02.2024

Prof. Brigitte Rollett (1934-2024)

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Brigitte Rollett, die 1934 in Graz geboren, ebendort Psychologie, Pädagogik und Philosophie studierte, 1957 promovierte, 1964 habilitierte und 1979, nach Professuren in Osnabrück, Kassel und Bochum, einen Ruf nach Wien auf den Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie annahm.

Brigitte Rollett prägte die Psychologie in Wien und in Österreich über viele Jahre hinweg, war fachlich höchst erfolgreich und gut vernetzt in Politik, Medien, Wirtschaft, Kunst und Kultur. Sie trug maßgeblich zur Etablierung und Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Psychologie in Österreich bei, sei es als Vorständin des damaligen Instituts für Psychologie, als Gründungspräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie (ÖGP), Organisatorin des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (in Wien, 1984), Gründerin der Gesellschaft für Lerntherapie, Präsidentin der Gesellschaft gegen Sekten und Kultgefahren, usw. Zur Würdigung ihrer umfassenden Aktivitäten wurde sie, neben Gastprofessuren bzw. Lehraufträgen an mehreren Universitäten, 1994 auch mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Mit ihrem enormen Engagement trug sie zur Anerkennung von Frauen in akademischen Leitungspositionen bei, denn zu Beginn der 80iger Jahre verfügte das damalige Institut nur über vier Professuren (drei davon von männlichen Kollegen besetzt) für ca. 6000 zu versorgende Studierende. Oft war sie damit auch die einzige Frau auf weiter Flur in der von männlichen Ordinarien beherrschten Universitätslandschaft der 60er- und 70er-Jahre, die noch dazu als alleinerziehende Mutter von vier Kindern Familie und Beruf zu vereinbaren hatte.

Brigitte Rollett nahm auch nach ihrer Emeritierung 2003 noch bis Ende 2023 regen Anteil am Wissenschaftsbetrieb, war an drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten beteiligt, nahm aktiv an Tagungen teil, lehrte weiterhin und hielt Prüfungen ab. Nahezu täglich war sie an der Universität anzutreffen - immer bereit zuzuhören und mit Ratschlägen zu helfen.
Mit ihrem außergewöhnlichen Engagement und ihrem unermüdlichen Einsatz hat sie Generationen von Studierenden geprägt und beeinflusst. Ihre Leidenschaft für die Psychologie und ihre unerschöpfliche Hingabe an Forschung und Lehre werden uns stets in Erinnerung bleiben. Durch ihr offenes Zugehen auf andere und ihre humorvolle Art hat sie uns nicht nur fachlich, sondern auch persönlich bereichert.

Brigitte Rollett ist am 5.2.2024 nach schwerer Krankheit verstorben. Wir werden sie vermissen.

In tiefer Dankbarkeit und Anteilnahme,
die Mitglieder der Fakultät für Psychologie
(Die Parte finden Sie in der unten stehenden Datei)