Themenfelder

Mann vor Pinnwand

Die Forschungsinhalte an der Fakultät für Psychologie konzentrieren sich aktuell auf vier Themenfelder. Diese umfassen die Vielfalt der verfolgten Forschungsfragen und sind inhaltlich mit der Struktur der Masterschwerpunkte ident. Die Forschungsaktivitäten in den Themenfeldern spannen den Bogen von der Erforschung psychologischer Grundlagen hin zur (evidenzbasierten) Anwendung bzw. zum Transfer der gewonnenen Erkenntnisse. Basierend auf sich integrativ ergänzenden neuro-, kognitions-, und sozialwissenschaftlichen Forschungszugängen wird angestrebt, theoretisch fundierte sowie empirisch prüfbare Beiträge zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn sowie zu dessen Transfer zu leisten.

Innerhalb der nachstehenden vier Themenfelder setzt die Fakultät zudem spezifische Forschungsschwerpunkte:

1) Kognitive, emotionale und motivationale Prozesse sowie deren biologische Grundlagen

Zugeordnete Professuren:

Der Fokus des Themenfeldes liegt in der grundlagenorientierten Erforschung von Kognition, Emotion, und Motivation. Dabei werden überwiegend labor-experimentelle Forschungsansätze verfolgt, die auf ein breites Spektrum und eine exzellente Infrastruktur zur Durchführung kognitionspsychologischer, psychophysiologischer (Augenbewegungsmessungen, Gesichts-Elektromyographie), und neurowissenschaftlicher Untersuchungen (fMRT, EEG, TMS, Psychopharmakologie) zurückgreifen können. In den letzten Jahren gibt es zudem vermehrte Bemühungen, die laborexperimentell gewonnenen Erkenntnisse auch im Feld (ebenfalls meist experimentell) zu validieren. Inhaltliche Schwerpunkte im Themenfeld liegen u.a. in den Bereichen visuelle Kognition und Aufmerksamkeit (Kognitionspsychologie), der empirischen visuellen Ästhetikforschung (Allgemeine Psychologie und empirische Ästhetikforschung), der sozialen Kognition und des Sozialverhaltens (Biologische Psychologie und Soziale Neurowissenschaften), sowie der klinisch-kognitionswissenschaftlichen Neuropsychologie (Klinische Soziale Neurowissenschaften). Dabei werden etwa Prozesse der visuellen Aufmerksamkeit, der ästhetischen Anmutung und Kunstwahrnehmung im öffentlichen Raum, sowie der neuronalen Grundlagen (und deren Beeinträchtigungen) von Empathie und Prosozialität untersucht. Die Forschung ist dabei weitgehend interdisziplinär und beinhaltet beispielsweise Kooperationen mit ExpertInnen in den Bereichen Psycholinguistik, Kunstgeschichte, Komparative Kognition und Kognitionsbiologie, sowie Biologischer Psychiatrie.


2) Arbeit, Gesellschaft und Wirtschaft

Zugeordnete Professuren:

Menschen sind heute mit umfassenden Herausforderungen und Veränderungen in der Arbeit, der Gesellschaft und in der Wirtschaft konfrontiert. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind gefordert, sich an neue und flexible Anforderungen in der Arbeit anzupassen. Konsumentinnen und Konsumentinnen werden mehr und mehr aktive Akteure im Wertschöpfungsprozess und müssen zugleich bei zunehmender Produkt- und Informationsvielfalt Entscheidungen treffen. Bürgerinnen und Bürger sind mit komplexen Regeln und Anreizstrukturen (Steuern und Gesetze) oder Nudges konfrontiert. Umgekehrt haben Unternehmen, Marketingverantwortliche und staatliche Autoritäten das Ziel, Verhalten von Menschen zu beeinflussen und gesetzte Ziele zu erreichen, die lokal (z.B. für den Gewinn des Unternehmens) oder global (z.B. Reduktion der Klimaerwärmung) relevant sein können. In dem Themenfeld „Arbeit, Gesellschaft und Wirtschaft“ wird das Erleben und Verhalten von Menschen in solchen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontexten vor allem im Forschungsschwerpunkt „Psychologie im Kontext von Veränderungen und Entscheidungen in Organisationen und in der Wirtschaft“ aus der Sicht der Arbeits- und Organisationspsychologie, der Wirtschaftspsychologie und der Sozialpsychologie mit einer großen methodischen Vielfalt untersucht.


3) Entwicklung, Bildung und Lernen über die Lebensspanne

Zugeordnete Professuren:

Das Themenfeld „Entwicklung, Bildung und Lernen über die Lebensspanne“ spannt den Bogen von der Erforschung der psychologischen Grundlagen des Lernens bis hin zum evidenzbasierten Transfer der Erkenntnisse entwicklungs- und bildungspsychologischer Forschung zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen im Sinne der Third Mission. Im Fokus der Forschung im Arbeitsbereich Entwicklungspsychologie stehen dabei u.a. die soziale Entwicklung von Babys und Kindern, die funktionale Relevanz neuronaler Rhythmen für Lernprozesse, aber auch familienpsychologische Themen wie Elternschaft, Scheidung/Trennung, Eltern-Kind-Beziehung, und der Übergang ins Erwachsenenalter. In den Arbeitsbereichen Bildungspsychologie & Evaluation und Transferforschung wird insbesondere zu Themen der Förderung von Lebenslangem Lernen in Bildungsinstitutionen geforscht. Dabei geht es um die Entwicklung und Förderung von Bildungsmotivation sowie die Entstehung und Aufrechterhaltung von Geschlechterstereotypen in Bildungskontexten. Durch die Konzeption von Präventions-, Trainings- und Interventionsmaßnahmen, sowie deren Evaluation und Implementierung wirkt das Themenfeld in die sich ändernde Gesellschaft hinein.


4) Gesundheit, Belastung, Bewältigung sowie soziale Inklusion

Zugeordnete Professuren:

Dieses Themenfeld befasst sich mit Fragen von Gesundheit und Beeinträchtigung. Die Weiterentwicklung des Verständnisses von klinisch-psychologisch und gesundheitspsychologisch relevantem Erleben und Verhalten steht hier im Fokus. Neben individuellen Eigenschaften des Menschen werden gleichfalls Merkmale seines sozialen Kontextes berücksichtigt. Die Forschungsperspektiven in diesem Feld befassen sich mit der psychischen Widerstandsfähigkeit sowie der Vulnerabilität des Menschen in allen Lebensbereichen und Altersabschnitten. Die Forschungsthemen befassen sich unter anderem mit sozial-kognitiven und affektiven Kompetenzen, unter der Perspektive von Selbst- und Stresstheorien. Sie berücksichtigen dabei auch gesellschaftliche Diversität und psychologische Regulierungsprozesse bei Beeinträchtigungen.

Konkrete Forschungsfragen betreffen Faktoren und Bedingungen zur Genese, Wiederentwicklung und Aufrechterhaltung von psychischer Gesundheit und Krankheit. Dies erfolgt für ausgewählte Bereiche wie beispielsweise Depression bei Kindern und Jugendlichen, Stressabhängige Erkrankungen, Posttraumatische Stressreaktionen oder psychische Auffälligkeiten bei Menschen mit entwicklungsbedingten intellektuellen Beeinträchtigungen. Die verhaltenswissenschaftliche Forschungsmethodik wird um biopsychologische und neurowissenschaftliche Methoden ergänzt. Mit diesem Ansatz werden Beiträge zum Grundverständnis von psychischen Verarbeitungsprozessen, Risiken und Ressourcen geliefert, die einer Prävention, Förderung oder Intervention bedürfen. Dadurch werden Erkenntnisse gewonnen, die für psychologische Beratung und gesundheitspsychologische sowie klinisch-psychologische Behandlung und Psychotherapie von Relevanz sind.