Allgemeine Psychologie
Definition
Die Allgemeine Psychologie ist ein Grundlagenfach der Psychologie. Sie erforscht und vermittelt "allgemeine" Gesetzmäßigkeiten aus folgenden Gebieten: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Lernen, Gedächtnis, Denken, Problemlösen, Sprache, Emotion, Motivation, Bewusstsein und der Handlungskontrolle. Ihre Erkenntnisse beinhalten das psychologische Basiswissen einschließlich grundlegender psychologischer Modellvorstellungen und Herangehensweisen.
Teilgebiete der Allgemeinen Psychologie
1. Wahrnehmung: Die Erforschung von Wahrnehmungsprozessen reicht mehr als hundert Jahre zurück, als erstmals mathematisch formulierbare Beziehungen zwischen Reizintensitäten und Empfindungsstärken gefunden wurden. Später widmete man sich auch den komplexen Gesetzmäßigkeiten der Wahrnehmung, wie etwa der Gestalterkennung, dem Raumerleben sowie Prozessen der Objekterkennung.
2. Aufmerksamkeit: Besonderes Forschungsinteresse erweckten seit jeher die Prozesse der Selektion und der Fokussierung im Wahrnehmungsprozess, die der Akzentuierung relevanter Informationen und der Ausfilterung irrelevanter Informationen dienen.
3. Lernen: Seit mehr als einem Jahrhundert beschäftigte man sich in verschiedenen Subdisziplinen der Psychologie mit den unterschiedlichen Formen der Einprägung von Wahrnehmungsstrukturen, Erlebnissen und Verhaltensweisen: Im Vordergrund standen dabei traditionell die klassische Konditionierung (Signallernen), die operante Konditionierung (Erfolgslernen) und das Beobachtungslernen (Imitationslernen), dazu kam in neuerer Zeit die intensive Erforschung kognitiver Lernprozesse (z.B. das Erlernen von Konzepten bzw. Begriffen, von Merkmalsdimensionen und von Klassifikationsschemata).
4. Gedächtnis: Die Gedächtnispsychologie untersucht die Dynamik und die Strukturen kognitiver Lernprozesse, wobei vor allem die Vorgänge der Enkodierung, der Speicherung und des Abrufes von Informationen im Vordergrund stehen.
5. Denken: Hierunter werden im allgemeinen "höhere" kognitive Leistungen verstanden, bei denen geistige Elemente und Einheiten (z.B. Begriffe) miteinander so in Beziehung gesetzt werden, dass neue Einsichten daraus abgeleitet werden können. Speziell sind es Prozesse des logischen oder "psychologischen" Schlussfolgerns, des schematischen oder analogen Denkens sowie des subrationalen Entscheidens und Urteilens ("Urteilsheuristiken"), für die in letzter Zeit vor allem mit Hilfe des Computers Erklärungsmodelle gesucht werden ("cognitive modelling").
6. Problemlösen: In diesem ebenfalls schon seit Jahrzehnten bearbeiteten Forschungsfeld werden menschliche Problemsituationen analysiert, und es wird der "Raum" möglicher und tatsächlich gefundener Lösungen für einfache und komplexe Problemsituationen erkundet. Viele Fehlleistungen des Menschen sind auf inflexible Strategien der Problembewältigung zurückzuführen.
7. Sprache: Sie darf als Hauptcharakteristikum menschlicher Existenz bezeichnet werden. Die Forschung dazu gliedert sich in die Bereiche Sprachproduktion und Sprachrezeption, wozu es viele neurowissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen gilt (z.B. frontale und parietale Sprachverarbeitung im Gehirn, Hemisphärenlateralisation sprachlicher Leistungen). Neben der Erforschung der strukturellen Grundlagen von Sprache (Syntax, Semantik) sind es auch Aspekte des Sprachgebrauchs (Pragmatik, Interaktionslogik, Kommunikation), die in empirischen Untersuchungen analysiert.
8. Emotion: Gefühle als allgegenwärtige Phänomene menschlichen Bewusstseins haben eine subjektive Erlebnisqualität und sind mit kognitiven, physiologischen und motorischen Begleiterscheinungen (z.B. Mimik und Gestik) verbunden. Besondere Bedeutung kommt dabei der Erforschung von Ängsten, Aggressionen und Depressionen sowie den Techniken der Stressbewältigung zu.
9. Motivation: Die Motivationspsychologie befasst sich mit den Ursachen und Auslösern von Verhalten. Historisch betrachtet lassen sich willenspsychologische (volitionale) Theorien, Erwartungs-Wert-Modelle, Trieb- und Anreiz-Modelle sowie neuere konnektionistische Ansätze unterscheiden.
10. Bewusstsein: Dieses zentrale Phänomen psychologischer Forschung lässt sich kaum mittels Definition eingrenzen, so dass es zumeist nur in Form spezifischer Aspekte diskutiert wurde (z.B. Wachheit, Arbeitsgedächtnis, klinische Bewusstseinsstörungen). Einschlägige Fragestellungen beziehen sich auf die Effekte bewusstseinsverändernder Substanzen (Drogen, Genussmittel, Psychopharmaka), auf den Biorhythmus (Schlaf- und Traumforschung) sowie auf die Auswirkungen hypnotischer und meditativer Praktiken.
11. Handlungskontrolle: Im Mittelpunkt dieses Forschungsfeldes stehen Handlungs- und Bewegungskoordination, Zusammenhänge von Wahrnehmung und Aktion und die internen Repräsentationen von Handlungsprozessen.
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