Was ist Entwicklungspsychologie?
Moderne Entwicklungspsychologie
Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit der Beschreibung und Erklärung von Veränderungen und Stabilitäten menschlicher Entwicklung über die Lebensspanne. Dies umfasst die Generierung und Überprüfung von Hypothesen über Ursachen von Veränderungen und liefert Beiträge zu Theorien und Modellen von psychischem und psychosozialem Wandel. Wichtige Fragestellungen richten sich zum einen auf biologische, psychologische und soziale Bedingungen der Entwicklung in verschiedenen Lebensphasen, zum anderen auf Unterschiede zwischen den Entwicklungsverläufen verschiedener Menschen.
Dynamischer Ansatz
Lange Zeit wurden unterschiedliche Gewichtungen von Anlage und Umwelt als Antriebsmotoren für Entwicklung diskutiert. Aktuelle Entwicklungstheorien verfolgen hingegen einen dynamischeren Ansatz, indem sie von einer transaktionalen Beziehung zwischen Anlage, Umwelt und der Aktivität des Individuums ausgehen. Das bedeutet, dass moderne Entwicklungspsychologie Individuen nicht ausschließlich durch ihre Anlagen und ihre Entwicklungsumwelt beeinflusst sieht, sondern den Menschen seinerseits ebenfalls als aktiven „Produzenten“ seiner eigenen Entwicklung anerkennt. Indem der Mensch Einfluss auf seine Umwelt nimmt bzw. nach passenden Umwelten sucht, schafft und wählt er sich aktiv Entwicklungsbedingungen.
Entwicklungsaufgaben
Entwicklungsziele und Sozialisationsziele resultieren aus Entwicklungsaufgaben, die ihren Ursprung in (1) biologischen Veränderungen innerhalb des Organismus´ (z.B. Pubertät, Menopause), in (2) durch die Gesellschaft (etwa in Bildung und Beruf) gestellten Aufgaben sowie in (3) Werten, Aspirationen (Bestrebungen) und Zielen des sich entwickelnden Menschen selbst haben.
Entwicklungspsychologie als Grundlagenfach und angewandte Entwicklungspsychologie
Die Entwicklungspsychologie als Grundlagenfach der Psychologie, bildet die theoretische Basis für aufbauende, anwendungsorientierte Forschungsthemen. Hierbei geht es um eine systematische Anwendung entwicklungspsychologischen Wissens für Beratungszwecke und die Bereicherung der Forschung durch folgenden Fragenkatalog: Was ist? (Entwicklungsstand) Wie geworden? (Rekonstruktion der Entwicklung) Was wird? (Prognose) Was sollte werden? (Beitrag zur Zielvereinbarung) Wie kann ein Ziel erreicht werden? und Was ist geworden? (Evaluation).
Kurze Einführung in die Geschichte der Wiener Entwicklungspsychologie
Die Abteilung für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie des (1922 unter Karl Bühler gegründeten) Instituts für Psychologie der Universität Wien wurde als eigene Abteilung von Charlotte Bühler etabliert. Sie hat eine lange Tradition wissenschaftlichen Lehrens und Forschens, vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendpsychologie - verbunden mit Namen wie Hildegard Hetzer, Liselotte Schenk-Danzinger, Sylvia Bayr-Klimpfinger und Brigitte Rollett.
Für weitere Informationen zur Geschichte der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien folgen Sie bitte diesem Link: Geschichte der Fakultät für Psychologie
Textquellen:
Dollase, R. (1999). Entwicklungspsychologie. In R. Asanger & G. Wenninger (Hrsg.), Handwörterbuch Psychologie (S. 137-142). Weinheim: Beltz.
Dreher, E. (2007). Optimierung von Selbstwirksamkeit. Entwicklungspotenziale (er-)kennen und nutzen! In A. Bucher, K. Lauermann & E. Walcher (Hrsg.), Ich kann. Du kannst. Wir können. Selbstwirksamkeit und Zutrauen, Veröffentlichung der Internationalen Pädagogischen Werktagung in Salzburg, 2006 (S. 33-57). Wien: öbvhpt.
Lerner, R. M. & Busch-Rossnagl, N. A. (1981). Individuals as producers of their own development. A life-span perspective. New York: Academic Press.
Montada, L. (2002). Fragen, Konzepte, Perspektiven. In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (5., Aufl., S. 3-53). Weinheim: Beltz.
Rollett, B., Dreher, E. & Glück, J. (2006). Entwicklungspsychologie. In U. Kastner-Koller & P. Deimann (Hrsg.), Psychologie als Wissenschaft (S. 77-91).Wien: WUV.
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